Schmerz im Autismus –
Wenn Reizverarbeitung den Körper übersteuert

Im autistischen Spektrum verschiebt sich die Grenze zwischen Wahrnehmung und körperlicher Reaktion. Entscheidend ist nicht die Stärke eines Reizes, sondern wie lange er im System bleibt. Reize, die andernorts rasch ausklingen, verharren hier als Spannung, Druck, innere Verdichtung.
Eine US-Analyse zeigte bei Kindern und Jugendlichen mit Autismus eine Rate chronischer Schmerzen von 15,6 %; ohne Autismus lag sie bei 8,2 %.
In Erwachsenenstudien berichten 21 % von Diagnosen aus dem Bereich zentraler Sensitivität (z. B. Fibromyalgie), rund 60 % erreichen Werte, die auf ausgeprägte zentrale Schmerzverarbeitung hinweisen.
In einer schwedischen Langzeituntersuchung gaben 76,6 % der Frauen mit früh diagnostiziertem Autismus/ADHS an, unter chronischen Schmerzen zu leben.
Bildgebende Befunde zeigen eine erhöhte Aktivität in Insula und anteriorer cingulärer Rinde – Regionen, in denen sensorische Signale mit emotionalen Einschätzungen verschaltet werden. Ein fein abgestimmtes System mit langer Nachhallzeit.
Angst, dauerhafte Anspannung und sensorische Offenheit erhöhen die Belastung. Auch Hypermobilität tritt häufiger auf; instabileres Bindegewebe kann Mikrobelastungen begünstigen. So entsteht ein Muster, das weniger mit Schmerzschwelle als mit Dauerverarbeitung zu tun hat.
Rückzug, klar strukturierte Umgebung, dosierte Reizreduktion – diese Faktoren helfen, weil sie das System entlasten.
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