Das Herz schlägt anders – ADHS, Cortisol und das autonome Nervensystem
ADHS ist eine Störung der autonomen Regulation.
Das sympathisch-parasympathische Gleichgewicht – also das fein abgestimmte Wechselspiel zwischen Anspannung und Beruhigung – bleibt dauerhaft verschoben.
Messbar wird das über die Herzfrequenzvariabilität (HRV):
Sie zeigt, wie flexibel ein Organismus zwischen Aktivierung und Erholung wechseln kann.
Bei Erwachsenen mit ADHS liegt die HRV im Mittel um rund 20 % niedriger als bei neurotypischen Vergleichspersonen. Der Körper bleibt in einer Art Stand-by-Alarmzustand.
Dazu kommt eine charakteristische Cortisol-Dysregulation.
Viele Betroffene haben am Morgen überhöhte Werte und am Nachmittag eine zu flache Abfallkurve. Das bedeutet: Das System fährt nie vollständig herunter. Konzentration, Schlaf und Emotion folgen dann keinem klaren Rhythmus mehr, sondern verlaufen wie ein unruhiger Puls.
Diese chronische Übererregung hat Folgen.
Sie schwächt Immunsystem, Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-Stabilität.
Studien belegen ein bis zu 65 % höheres Risiko für Herzinfarkt bei unbehandelter ADHS – besonders bei Frauen nach der Menopause. Auch die Häufigkeit funktioneller Herzbeschwerden (Palpitationen, Druckgefühl, Tachykardie) ist signifikant erhöht.
Physiologisch erklärt sich das über den Vagusnerv.
Er vermittelt Sicherheit und Ruhe, reduziert Herzfrequenz und Cortisol.
Bei ADHS ist dieser parasympathische Rückkanal unteraktiv.
Das Gehirn empfängt also weniger Signale von „alles in Ordnung“.
Daraus entsteht das typische Erschöpfungsprofil: daueraktiv im Außen, aber innerlich instabil.
Therapeutisch bedeutet das:
Medikation kann Impulsivität mindern, doch sie normalisiert nicht automatisch die vegetative Schieflage.
Langfristige Regulation entsteht erst, wenn auch das autonome Nervensystem trainiert wird – über Schlafrhythmus, Atem, Bewegung, Ernährung und bewusste Entlastung.
ADHS ist damit nicht nur ein kognitives, sondern ein systemisches Stressphänomen.
Das Herz reagiert, bevor der Kopf begreift.
Wer das versteht, erkennt: Stabilität beginnt im Körper – nicht im Kalender.
#ADHS #Neurodivergenz #Cortisol #Stressregulation #Herzfrequenzvariabilität #AutonomesNervensystem #Vagusnerv #Reizregulation #Selbstfürsorge #KörperUndGeist
Hier geht es zum Newsletter:
https://lnkd.in/d8_upkYy
Hier geht’s zur Android App:
https://lnkd.in/dsNKfVSa
Mehr über NUKA:
https://nuka.ai
FOLGE UNS AUF INSTAGRAM
https://lnkd.in/diRzweZe

