Die eine Woche im Zyklus, die viele von uns mit ADHS kennen – und über die fast niemand spricht

Wir reden viel zu selten über die Tage, an denen das Östrogen im Keller ist. Und doch sind es genau diese Tage, die uns so sehr herausfordern, dass sie den ganzen Alltag bestimmen.

Für Frauen mit ADHS bedeutet diese Phase: Die Selbstregulation bricht fast zusammen. Aufgaben, die an anderen Tagen machbar sind, werden plötzlich unüberwindbar. Es reicht ein Blick auf die To-do-Liste im Job – Mails beantworten, ein Dokument öffnen, eine Entscheidung treffen – und schon ist da diese innere Blockade. Man weiß, was zu tun wäre, doch es fühlt sich an, als wäre das eigene System eingefroren.

Die Laune kippt schneller. Reizbarkeit, die sonst vielleicht noch kontrollierbar ist, bricht leichter durch. Ein Kommentar im Meeting, eine technische Störung, ein kleiner Fehler – schon sitzt man im Strudel aus Ärger und Selbstvorwürfen. Und mit jedem Versuch, sich zusammenzureißen, wächst das Gefühl, dass es nur noch an der eigenen Disziplin scheitert.

Doch es hört nicht bei der Arbeit auf. Zuhause ist es genauso präsent. Ordnung halten, Mahlzeiten planen, Gespräche führen, Kinder ins Bett bringen – es sind diese ganz normalen Dinge, die in dieser Woche wie eine Überforderungsschleife wirken. Der Kopf sagt: „Mach einfach.“ Doch der Körper bleibt im Widerstand. Und so wächst die innere Enge. Man fühlt sich gefangen im eigenen Zyklus.

Das ist kein individuelles Versagen, sondern eine hormonelle Realität. Der Abfall des Östrogens verschärft bei ADHS die ohnehin bestehende Schwäche in der Selbstregulation. Es ist kein Charakterproblem und keine mangelnde Stärke – es ist Biologie.

Und trotzdem sprechen wir kaum darüber. Vielleicht, weil es doppelt stigmatisiert ist: ADHS und Zyklus. Vielleicht auch, weil man schon genug damit zu tun hat, den Alltag zu schaffen. Aber genau dieses Schweigen macht es schwerer. Jede von uns glaubt, sie sei allein mit diesem Erleben – und das verstärkt das Gefühl der Ohnmacht.

Darum schreibe ich das heute so deutlich. Um sichtbar zu machen, dass wir viele sind. Dass diese Woche im Monat kein persönliches Scheitern ist, sondern ein wiederkehrendes Muster. Und dass es gut ist, wenn wir darüber reden.

Eine virtuelle Umarmung an alle, die diese Tage kennen. Ihr seid nicht allein.

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