Wenn Fachleute die Fassung verlieren: Wie mir im Erstgespräch mit einer Psychologin eine Psychose unterstellt wurde – weil ich mit KI arbeite
Ich habe lange überlegt, ob ich das öffentlich erzählen soll.
Aber es ist zu typisch, zu strukturell, zu verletzend, um es für mich zu behalten.
Vor einigen Wochen saß ich in einem Erstgespräch bei einer Psychologin. Es ging um Begleitung, nicht um Krisenintervention. Ich war klar, ruhig, differenziert – wie meistens, wenn ich funktioniere.
Wir kamen auf meine aktuelle Arbeit zu sprechen. Ich erzählte, dass ich mit KI arbeite, Systemprompts entwickle, Module strukturiere – für eine App, die neurodivergente Menschen begleiten soll.
Die Reaktion war keine Rückfrage.
Es war Stille. Dann Skepsis. Dann:
„Sind Sie sicher, dass das real ist?“
Und schließlich der Satz:
„Könnten Sie bitte mal Ihren Mann mitbringen – nur damit ich einordnen kann, ob Sie sich das nicht einbilden?“
Einbildung. Psychose. Realitätsverlust.
Weil ich eine Idee hatte.
Was hier passiert ist, ist kein individueller Fehler. Es ist ein strukturelles Problem.
Es offenbart, wie wenig Raum in klassischen Kontexten für untypische Intelligenz existiert. Wie schnell weibliche Kompetenz pathologisiert wird, wenn sie ohne akademisches Etikett auftritt. Und wie tief das Misstrauen sitzt, wenn neurodivergente Frauen klar, autonom und systemisch denken – ohne um Erlaubnis zu fragen.
Ich war nicht wütend in dem Moment. Ich war entsetzt.
Weil ich in der Sekunde wusste: Wäre ich nicht stabil, hätte dieses Gespräch mich zerstören können.
Ich schreibe das, weil ich nicht die Einzige bin.
Weil andere vielleicht denken, sie seien verrückt, wenn sie nicht ernst genommen werden.
Ihr seid nicht verrückt.
Ihr seid einfach nur zu komplex für ein System, das immer noch glaubt, dass Fachwissen nur durch Titel legitimiert wird.
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