ADHS ist mein Betriebssystem. Das klingt vielleicht etwas dramatisch, aber im Grunde bedeutet es: Ich nehme mir vor, die Spülmaschine beim ersten Versuch komplett auszuräumen. Klingt simpel, dachte ich heute auch. Doch kaum hatte ich den ersten Teller in der Hand, fiel mir plötzlich ein, dass neulich irgendjemand erzählt hat, Oktopusse würden sich selbst essen, wenn sie gestresst sind. Moment, was? Das musste ich jetzt doch genauer wissen. Teller wieder abgestellt, Handy rausgeholt, Google geöffnet – und eine halbe Stunde später kannte ich alle traurigen Fakten über gestresste Kraken. Immerhin gut für Smalltalk-Partys.
Kochen ist auch immer wieder ein Highlight. Ich rühre also ganz entspannt meine Sauce und höre beiläufig einen Satz, der überhaupt nichts mit meinem Essen zu tun hat. Plötzlich interessiert es mich brennend, warum Eulen ihren Kopf so weit drehen können. Sauce? Ach ja, angebrannt. Aber wenigstens weiß ich jetzt, wie viele Halswirbel eine Eule hat.
Heute Morgen bin ich dreimal ins Bad zurückgegangen, um meine Brille zu suchen. Stand irgendwann verzweifelt vorm Spiegel und versuchte zu erkennen, ob sie irgendwo liegt, bis mir auffiel, dass ich hervorragend sehen konnte. Kein Wunder – ich hatte sie ja schon längst auf der Nase.
Um mich zu trösten, habe ich mir heute Mittag dieses wunderschöne Notizbuch gekauft, in das ich vermutlich nie schreiben werde. Aber ich kann es zu den anderen 27 Notizbüchern stellen, die maximal einen Satz enthalten, wie: „Wichtig, unbedingt… irgendwas.“ Immerhin sieht es gut aus und beruhigt mein Gewissen.
Mein Gehirn ist eben wie ein Browserfenster mit 300 offenen Tabs, von denen fünf Musik abspielen und mindestens eins ein Katzenvideo ist, das ich nicht schließen kann. Aber hey, so ist mein Betriebssystem eben. Ein bisschen chaotisch, aber niemals langweilig.
Die Spülmaschine räume ich morgen leer. Versprochen. Wahrscheinlich.
Hier geht's zum Newsletter
https://lnkd.in/dH9ez3DN
#ADHS #Neurodivergenz #Alltagshumor #MeinBetriebssystem #TeamOktopus

