Weibliche Gründung mit ADHS – jenseits von Mindset-Parolen
Ich gründe, weil ich muss. Nicht aus Kalkül und nicht aus Aufstiegsphantasien.
Sondern weil es keinen Ort gibt, an dem ich vollständig denken, arbeiten und atmen kann.
Ich habe eine klare Vision, ein durchdachtes System, eine wachsende Community und valide Rückmeldungen von Menschen, die mir aufrichtig sagen: Das hier ist gut. Das funktioniert. Mach weiter.
Ich sehe, was ich kann. Ich weiß, dass es trägt. Und trotzdem bleibt ein Zweifel, der sich nicht wegmeditieren lässt.
Nicht weil ich nicht genug an mich glaube. Sondern weil ich mit einem Nervensystem gründe, das für Hochspannung gebaut ist.
ADHS bedeutet in diesem Kontext, dass ich Mikrosignale wahrnehme, bevor andere sie benennen können. Ich erkenne Muster im Markt, die noch niemand formuliert hat. Ich entwickle Systeme, die antizipieren, was kommen wird.
Gleichzeitig nehme ich jedes Zögern, jede Verschiebung und jede Irritation im sozialen Feld wahr. Ich hinterfrage mich ständig, nicht aus Instabilität, sondern aufgrund meines hyperadaptiven Denkens. Es gibt Tage, an denen mein Körper in Alarmbereitschaft ist, ohne äußeren Anlass.
Wenn ich auf LinkedIn lese: „Vertraue dir. Alles beginnt mit der richtigen Energie“, fühle ich mich nicht angesprochen, sondern allein gelassen.
Denn Selbstvertrauen ist nicht mein Problem. Ich bin nicht zu unsicher. Ich bin zu wach, zu weitreichend, zu früh dran. Ich gründe mit einem System, das alles gleichzeitig verarbeitet: das Produkt, die Wirkung, das Echo, die Verantwortung, den Widerstand und die Zukunft.
Ich kenne meine Stärke. Aber ich kenne auch mein Innenleben. Und das lässt sich nicht durch Erfolgszahlen beruhigen.
Wir brauchen andere Narrative. Nicht die Heldinnengeschichte mit triumphierendem Fazit. Sondern das ehrliche Protokoll eines Weges, der groß ist, anstrengend und radikal echt.
Ich glaube an mich.
Ich zweifle.
Beides ist wahr.
Ich gründe trotzdem

