ADHS im Arbeitsumfeld zeigt sich nicht nur in Ablenkbarkeit oder Zeitmanagementproblemen, sondern in einer ausgeprägten sensorischen Reizoffenheit, die im Berufsalltag schnell übersehen wird. Unser Gehirn verfügt normalerweise über Filtermechanismen, die Sinneseindrücke wie Licht, Geräusche, Bewegungen oder Temperaturschwankungen ausblenden. Bei Menschen mit ADHS arbeitet diese Reizfilterstation im Thalamus weniger selektiv, sodass bereits bei geringer äußerer Reizintensität die innere kognitive Belastung spürbar ansteigt.

In der Praxis bedeutet das zum Beispiel, dass Gespräche im Großraumbüro durch ständige Unterbrechungen zu Mikrostress führen. Bewegungen am Rand des Blickfelds lassen den Aufmerksamkeitsfokus schwinden, flackernde Monitore oder Leuchtstoffröhren können physische Erschöpfung auslösen und Hintergrundgespräche bewirken, dass mehrere Sprachstränge gleichzeitig verarbeitet werden müssen. Diese Reizflut ist kein Zeichen von Empfindlichkeit, sondern eine neurobiologisch nachvollziehbare Folge mangelnder Filterung.

Hilfreich sind Arbeitsbedingungen, die solche Reizoffenheit berücksichtigen. Dazu gehören temporäre Rückzugsbereiche, eine reduzierte und übersichtliche Arbeitsplatzgestaltung, klar abgestimmte Kommunikationsfenster statt permanenter Erreichbarkeit und eine Sensibilisierung im Team für die Bedürfnisse aller Mitarbeitenden. Solche Maßnahmen entlasten nicht nur Menschen mit ADHS, sondern auch Kolleginnen und Kollegen mit Migräne, Autismus oder Hochsensibilität.

Inklusion beginnt dort, wo Belastung als Systemfrage gesehen wird und nicht als individuelles Problem. Wer Arbeitsumgebungen so gestaltet, profitiert von einem resilienteren und produktiveren Team.

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